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Ein paar Gedanken zum Frauentag

Als Mutter von zwei Töchtern hab ich mich im Laufe der letzten Jahre oft gefragt, was sich wohl in Bezug auf die Frauenfrage ändern wird, bis sie erwachsen sind. Welche Themen werden sie beschäftigen? An welche Grenzen werden sie stoßen? Welche Erfolge werden sie feiern? Ich bin in Bezug auf Frauenfragen leider nicht sonderlich optimistisch, denke nicht, dass die Frauenquoten überflüssig werden oder gleiche Lohn für gleiche Arbeit schon Standard ist. Das zeigen viele kleine Alltagserlebnisse.

Vier Alltagsgeschichten zum Thema Gender

  1. Der Vergleich macht Sie sicher

    Wenn mein Neffe von seinem Professor schwärmt, der so klug, so lustig und so toll ist und dann im nächsten Satz sich über seine inkompetente Professorin mokiert, die laut seinem Urteil nicht einmal die Grundbegriffe der Physik kennt und an der Uni unterrichtet, dann beschleicht mich unweigerlich ein Gefühl, dass da was nicht stimmen kann. Klar, ich nehme die Frau in Schutz, fasle was von Ausdifferenzierung in der Wissenschaft und von Vorlesungen, die man manchmal halten muss, auch wenn sie nicht unbedingt zum eigenen Spezialgebiet gehören. Nutzt aber nichts, in den Augen meines Neffens bleibt die Frau dumm. Punkt.

  2. Die Gläserne Decke zu Hause

    Wir reden mit einer befreundeten Familie über die Berufswünsche ihrer Kinder. Beide Eltern haben Medizin studiert, daher können sie sich für die ältere Tochter gut vorstellen, dass sie Krankenschwester wird, wohingegen der Sohn sicher irgendetwas studieren wird. Wie kann das sein, da die Tochter doch Einserschülerin und überhaupt ein recht taffes Mädel ist, während der Bub sich aufgrund von Legasthenie schwer tut?

  3. Wenn Männer dir die Welt erklären

    Ein Mann kommt mit seiner 4-jährigen Tochter in die kinderinfo. Wir kommen ins Gespräch  über die Erziehung von Mädchen. Er erklärt mir, wie schüchtern seine Tochter ist während sein Sohn schon jetzt mit 2 ein Draufgänger sei. Er erklärt mir, wie “stutenbissig” seine Mitarbeiterinnen sind wohingegen seine Mitarbeiter sich loyal zueinander verhalten. Und er erklärt mir, dass Frauenquoten einfach nicht funktionieren, weil Frauen sich nicht konzentrieren können, wenn sie schwanger sind – da können sie doch keine Boing fliegen! Ich muss an Rebecca Solnits Essay “Wenn Männer dir die Welt erklären” denken. Natürlich lass ich seine Aussagen nicht unkommentiert, engagiere mich, bring mich ein, hau all mein Wissen in die Waagschale und schaff es, dass er tatsächlich überlegt, ob die Unterschiede zwischen seinen Kindern nicht vielleicht auch einfach im Individuum liegen können und nicht am Geschlecht. Trotzdem, ich bin mir ziemlich sicher, dass er nach wie vor gegen Pilotinnen ist, sofern es um Langstreckenflüge geht.

  4. Weil es keine erfolgreichen Frauen gibt

    In der kinderinfo haben wir immer wieder Büchertische mit Kinderbüchern zu bestimmten Themen. Im Jänner hatten wir einen Tisch zum Thema “Geschlechtssensible Erziehung – Doing Gender”. Manche kommen deswegen vorbei und holen sich Anregungen. Andere entdecken den Tisch, während sie sich in der kinderinfo mit Freizeittipps versorgen. So auch ein freundlicher Herr, mit dem ich ein angeregtes Gespräch führte. Ganz nebenbei bemerkte er, dass es oft nicht möglich sei,  weibliche Vorbilder zu nehmen, weil es z. B. keine malenden Frauen gegeben habe, die berühmt wären. Ich bin mir sicher, das denken viele Menschen auch in Bezug auf andere Themen z. B. die Naturwissenschaften.

Anerkennung als sichtbare Frauensolidarität

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(c) Brigitte Vogt

Klar, von allein kommt niemand in ein Geschichtsbuch. Aber mit Anerkennung der Dinge, die gut liefen, die wir Frauen gut gemacht haben, geht das schon. Und irgendwo muss frau doch beginnen. Wie wäre es, wenn wir daher öfter einmal den Blick in diese Richtung lenken würden? Laut editionf schreibt Zita Küng jeden Donnerstag ein Mail mit dem Betreff “Blumenstrauß”. Dabei würdigt sie eine Frau,

  • “die etwas getan hat, über das ich mich gefreut habe,
  • die etwas gesagt hat, das mich inspiriert hat, oder
  • die etwas ausprobiert hat, was ich besonders mutig find”.

Ich finde, das ist eine super Idee, die ich gern übernehme!

BriG
Foto (c) Brigitte Vogt

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