Zähneputzen mit Kindern

Nicht in jedem Badezimmer geht das tägliche Zähneputzen reibungslos über die Bühne. Beim Nachdenken über diesen Beitrag habe ich mir Spaßhalber ausgerechnet, wie viel Zeit ich durchschnittlich im Jahr mit Zähneputzen verbringe.  Wenn ich meine und die Zähneputz-Zeit meiner beiden Kinder zusammenzähle, komme ich auf rund 73 Stunden im Jahr. Das ist ganz schön viel Zeit, vor allem wenn das Zähneputzen Anlass für Diskussionen mit dem Nachwuchs gibt oder Auslöser für kleinere Dramen ist.

Ich kenne beides. Eine meiner Töchter war von Beginn an kooperativ und hat sich immer die Zähne putzen lassen. Bei ihrer Schwester gab und gibt es immer wieder Diskussionen. Diese Verweigerung hat mich anfänglich irritiert. Ich war etwas ratlos, das muss ich ehrlich zugeben. Folgende Tipps von Freund_innen habe ich als sehr hilfreich empfunden.

1. Gemeinsam Zähneputzen

Kinder lernen übers Nachahmen und deshalb ist gemeinsames Zähneputzen als tägliches Ritual sehr sinnvoll. Außerdem muss man Kleinkinder sowieso noch beim Putzen unterstützen, da sie es noch nicht können. Wir regeln das bei unseren Kindern immer mit Vor- und Nachputzen. Entweder meine Tochter oder ich putzt ihre Zähne vor und die andere dann nach. Auf diese Art und Weise kann sie ihre Selbstständigkeit ausleben und unter Beweis stellen. Und ich kann sicher sein, dass die Zähne sauber geputzt sind.

Bei Protesten hilft es auch manchmal, wenn sie meine Zähne putzt und ich ihre.

2. Bücher zum Thema Zähneputzen

Es gibt unzählige Bücher zu diesem Thema, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.  Ich möchte euch hier unsere drei Favoriten vorstellen.

Neues aus der Milchzahnstraße. Anna Russelmann. 1993 Michael Neuburger Verlag.
ab 3 Jahren

Hier wird die Frage, warum Zähneputzen notwendig ist, sehr unterhaltsam aus der Perspektive von Hacky und Dicky, zwei Kariesbakterien, erzählt. Die beiden Freunde Hacky und Dicky haben große Pläne für die Milchzahnstraße. Schlussendlich können sie ihre Pläne zwar nicht verwirklichen, erleben aber trotzdem irgendwie ein Happy End. Der eigentliche Besitzer der Milchzahnstraße, ein kleiner Bub, natürlich auch. Meine beiden Kinder lieben die Geschichte und ich lese sie auch gern vor.

 

 

 

 

Kariesalarm! Charlotte Habersack, Thorsten Saleina. 2012 arsEdition.
ab 4 Jahren

Kariesalarm! ist in meinen Augen eine klassische Zahnputzgeschichte aus der Perspektive eines Jungen erzählt. Die Geschichte spannt den Bogen von Zahnputzverweigerung, über die Erklärung der Notwendigkeit bis hin zum Zahnarztbesuch. Meine ältere Tochter mag das Buch total gern. Im Buch wird den Kinder auch sehr anschaulich erklärt, wie man richtig putzt. Eine Zeit lang hat sie das Buch immer zum Zähneputzen mitgenommen und nach Anleitung geputzt.

 

 

 

 

Klarissa von und zu Karies. Vom Leben und Wirken einer Bakterie. Martina Fuchs, Agnes Ofner. 2019 Tyrolia Verlag
ab 4 Jahren

Dieses Buch lese ich am liebsten vor. Es ist eine Mischung aus Geschichte und wissenschaftlichen Fakten sowie Wissenswertem über Zähne. Ihr könnt beim Vorlesen nur die Geschichte lesen und die Fakten einfach weglassen oder auch Schritt für Schritt die Fakten entdecken. Das ist spannend für Kinder und Erwachsene. Beim Vorlesen dieses Buches haben ich selbst viel gelernt. Die Altersempfehlung ab 4 halte ich persönlich für ambitioniert. Die komplexeren Stellen verstehen Kinder erst, wenn sie älter sind. Aber dadurch wächst das Buch quasi mit und eure Kinder können immer wieder was Neues entdecken.

 

 

 

3. Zahnputzgerätschaften selber aussuchen lassen

Wie eingangs schon erwähnt verbringen wir wirklich viel Zeit mit Zähneputzen also macht es Sinn, wenn sich die Kinder ihr Zahnpflegewerkzeug selbst aussuchen dürfen. Es kann auch ein Motivationsschub sein. Meine Töchter wollten unbedingt elektrische Zahnbürsten. Wichtig ist, dass die Borsten nicht zu hart sind und die Zahnpasta für Kinder geeignet ist. Die Magazine Konsument und Ökotest veröffentlichen immer wieder Tests zu gesundheitsschädliche Zusatzstoffen in Kinderzahnpasten.

4. Regelmäßige Besuche bei der/dem Zahnärzt_in

So ab 2 1/2 bis 3 Jahren könnt ihr schon damit beginnen. Der frühe Start hat den Vorteil, dass die Kinder viele positive oder zumindest neutrale Erfahrungen beim Besuch sammeln können, bevor das erste Mal gebohrt werden muss. Als Elternteil empfinde ich es als angenehm, da ich einfach nach dem Besuch weiß, ob die Zahnpflege ausreichend ist oder wir auf etwas genauer achten sollten.

5. Putzen mit Färbetabletten

Diesen Tipp habe ich von einer Freundin und er ist super. Erstens ist es lustig und zweitens echt sinnvoll. Kinder und Erwachsene sehen wie sauber oder schlampig sie putzen. Für Kinder wird das so viel greifbarer. Die Zahnfärbetabletten bekommt ihr in der Apotheke.

6. Zahnbürstenurlaub, Lieblingslied und Alternativen

Weil man sich als Elternteil die Kräfte einteilen muss, darf bei uns zu Hause die Zahnbürste auch mal auf Urlaub sein. Das ist einfach eine Notlösung, die mich vor unnötigen Machtkämpfen bewahrt. Glücklicherweise passiert das sehr selten. In diesen Situationen gibt es dann Zahnputzkaugummi und die Kinder müssen zumindest ganz sauber mit Wasser spülen.

Von Freund_innen und Bekannten weiß ich, dass die Kinder beim Zähneputzen ihre Lieblingsmusik hören dürfen. Andere wiederum putzen, während sie ihre Lieblingsserie schauen.

Wissenswertes für erwachsene Bezugspersonen

Kleinkinder verstehen die Notwendigkeit der Zahnpflege und den kausalen Zusammenhang mit Karies nicht.

Kleinkinder putzen:
– weil es ihnen Spaß macht.
– weil sie uns eine Freude machen und mit uns kooperieren wollen.
– weil sie Angst vor Strafen haben. Angst vor Strafen ist in der Erziehung jedoch nie ein guter Freund und fehl am Platz. Von außen betrachtet ist es eher ein Hinweis darauf, dass die Erwachsenen mit ihrer Weisheit am Ende sind.

Je älter die Kinder werden, umso mehr verstehen sie die Zusammenhänge. Diese Info hilft vielleicht auch in dem einen oder anderen sich anbahnenden Zahnputzdrama.

reg

 

 

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