Mehrsprachig erziehen – Eine Familie, mehrere Sprachen

In mehreren Sprachen zu Hause zu sein gehört heute bei vielen Familien und Kindern zum Alltag. Doch wie geht man in der Erziehung mit bi- oder multilingualen Kindern um? Wie kann ich mein Kind am besten beim Spracherwerb unterstützen? Wir sprachen mit Zwetelina Ortega, Expertin für Mehrsprachigkeit, und holten uns viele Tipps für Eltern.

1. Ab wie vielen Jahren unterscheiden Kinder verschiedene Sprachen?
Kindern ist ab ca. zwei Jahren bewusst, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen. Ab etwa drei Jahren können sie Sprachen bewusst zuordnen und trennen.

2. Wie sollen Familien mit mehreren Familiensprachen umgehen?
Die Methode „Eine Sprache-eine Person“ hat sich bewährt. Das heißt, dass jedes Elternteil eine andere Sprache mit dem Kind spricht. Dabei entsteht auch eine emotionale Bindung in derjenigen Sprache zu der Person mit der das Kind spricht. Von Vorteil ist es, wenn alle Beteiligten, die in gewisser Weise spracherzieherisch mit Ihrem Kind zu tun haben auch involviert werden (z.B. Großeltern, BabysitterIn, KindergärtnerIn etc.).

3. Können Kinder von mehreren Sprachen überfordert sein?
Ja, auch das kann passieren. Meist geht es dabei nicht um die Anzahl der Sprachen, sondern um einen unnatürlichen Umgang mit einer davon. Z.B. schämen sich die Eltern für Sprachen, die nicht so hoch gerankt werden, oder eine Sprache ist nicht Teil der natürlichen Umgebung des Kindes. Schwierig kann es auch werden, wenn die Kommunikationssprachen ständig wechseln.

4. Was sind Vor- und Nachteile von Mehrsprachigkeit?
Die größte Herausforderung ist bestimmt, wenn es darum geht dem Kind Lesen und Schreiben in mehreren Sprachen beizubringen. Bei Schuleintritt kann es zu einer leichten Verzögerung gegenüber einsprachigen Kindern kommen. Die gute Nachricht ist, dass die Kinder bis Ende der Volksschule alles aufholen können, wenn sie unterstütz werden. Dann überwiegen die Vorteile – ihnen stehen nun mehrere Sprachwelten offen. Studien zeigen, dass Bilinguale kognitiv schneller und effizienter sind, z.B. in der Lösung von allgemeinen Kommunikationsproblemen und dass sie leichter weitere Sprachen lernen.

5. Wie können Eltern ihre Kinder beim Spracherwerb unterstützen?
• Beobachten Sie sich selbst: Wie sprechen Sie, was sind Ihre Sprechgewohnheiten? Denn Kinder imitieren Sie als Eltern.
• Hören Sie zu: Wie, wann, mit wem spricht Ihr Kind? Und wie entwickeln sich seine Sprachen?
• Sprachliche Errungenschaften loben: Haben Sie ein Auge auf die sprachliche Entwicklung ihres Kindes und loben Sie es dafür!

Schlussendlich kann gesagt werden, das Sprachenlernen eine kontinuierliche Reise ist. Im Laufe des Lebens kann sich die Präsenz einer Sprache ändern: Erst- oder Zweisprachen sind unterschiedlich dominant, je nach Lebenssituation. In dem Sinne ist es am besten, locker und kreativ an die mehrsprachige Familiensituation heranzugehen. 

Wollt ihr mehr über Mehrsprachigkeit erfahren? Auf Linguamulti bloggt Mag.a Zwetelina Ortega über gelebte Mehrsprachigkeit in der Familie.

Interview geführt: Daniela Saceric
Foto © wienXtra/Bubu Dujmic

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