Rangelnde Finger Rangelnde Finger

Warum ich Raufen gut finde

Kürzlich war ich bei einem Workshop von Udo Baer, einem meiner Lieblingspädagogen und Therapeuten. Seine Bemerkung übers Raufen hat mich hellhörig gemacht, passte so gut dazu, warum ich raufen gut finde. Ich verstand es so, man sollte in jeder Schule einen Bereich einrichten, wo Kinder miteinander raufen können. Aber man hört ja bekanntlich auch immer das, was man hören will 🙂

ich Raufen gut finde - Gebetsfahnen Ich bewege mich in einem Umfeld, das pazifistisch und friedensbewegt ist. Das ist angenehm und entspricht auch meinen Überzeugungen. Dass bei uns am Spielplatz weitgehend ein friedliches Miteinander auch unter den Kindern herrscht, hab ich immer genossen. Nur manchmal fällt mir auf, dass da auch leicht etwas ausgeblendet wird, was hilfreich, lustvoll und bereichernd sein kann. Ich find nämlich raufen gut.

Warum ich Raufen gut finde?

Weil ich denke, dass (nicht nur) Kinder das Bedürfnis haben, sich manchmal lustvoll körperlich zu messen, sich intensiv mit anderen zu spüren. Ich habe aus meiner Kindheit einen ganzen Sack voll angenehmer Rauferfahrungen, wo das Lustvolle eindeutig im Vordergrund war. Raufen kann einfach herrlich sein. Klar geht es dabei nicht um ein unkontrolliertes regelbefreites Kämpfen oder um das Recht des Stärkeren.

Wir haben dabei folgende Regeln eingeführt:

  • Rangelnde Finger Rangelnde FingerGerauft wurde entweder am Boden im Wohnzimmer, wo der Teppich die Begrenzung darstellte, oder im Doppelbett. Gewonnen hat, wer als letzeR am Teppich oder Bett war. Das Raufen war ein Ringen, wobei die Kinder fast immer in der Überzahl waren.
  • Alle Beteiligten, wir Eltern und die Kinder, waren auf den Knien, nur als die Jüngste noch sehr klein war, durfte sie stehen.
  • Nicht erlaubt war, dem anderen weh zu tun – wenn das trotzdem passierte, unterbrach man sofort. Ist aber wirklich kaum passiert. Außerdem war an den Haaren ziehen, zwicken, spucken, beißen,… nicht erlaubt.
  • Was erlaubt ist und was nicht, handeln alle Beteiligten selber aus. Z.B. war Kitzeln manchmal okay und manchmal nicht.

Warum ich Raufen gut finde - Ranglende Finger

Das Raufen wurde immer von den Kindern eingefordert. Sie fanden dieses körperliche Messen mit mir oder ihrem Vater, eindeutig lustvoll, obwohl es für sie ja auch ziemlich anstrengend war, sich mit einem überlegenen Gegner zu messen. Gut, dass sie meist in der Überzahl waren. Für mich war es eindeutig anstrengend, besonders, je größer die Kids wurden. Aber was ich daran so mochte, war eben die Möglichkeit, auf eine lustvolle Art Spannungen abzubauen, sich zu messen und sich intensiv zu begegnen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass es je zu Streit kam oder dabei etwas passiert ist.

Welche Erfahrungen habt ihr damit?

BriG
Foto ©Brigitte Vogt

 

 

 

Ein Gedanke zu „Warum ich Raufen gut finde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.