Alles Gute zum FrauenTAG!

Wieder einmal Frauentag. Macht das noch Sinn? Oder liegt mein Neffe richtig, dass Frauen und Männer eh schon gleichberechtigt sind?
Frauentag ergibt für mich genauso Sinn, wie Feminismus oder Gender Studies. Das ist nicht für alle so. Silvester hab ich heuer unter anderem mit jungen HTL Absolventen gefeiert. Irgendwie kam das Gespräch auf Gender Fragen und ich habe zwei Beispiele erzählt, die mich wirklich erschüttert haben. Die Reaktion darauf hat mich aber noch mehr beschäftigt.

Meine Beispiele, die auch zum Frauentag passen

Beide Beispiele habe ich in einer Vorlesung kennen gelernt, die ich letztes Semester besucht habe. Die Vorlesung „Zentrale Fragen der Gender Studies in den Naturwissenschaften“ hielten Kay Felder und Michael Penkler an der Uni Wien ab.

1.Beispiel: Herzinfarkt

Sicher, mittlerweile hat es sich schon ein bisschen herumgesprochen, dass Herzinfarkte bei Frauen und Männern zum Teil andere Symptome aufweisen. Und einige von euch werden auch schon von Gendermedizin gehört haben. Trotzdem werden Herzinfarkte oft als eher männliches Phänomen gesehen. Diese Wahrnehmung ist aus Folgenden Gründen falsch:
Herzinfarkt ist die Haupttodesursache bei Frauen.
Außerdem haben Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit, in Folge eines Herzinfarktes zu sterben.
Frauen haben eine 50% höhere Wahrscheinlichkeit, in Folge eines Herzinfarktes fehldiagnostiziert zu werden.
Frauen mit schwachem sozioökonomischen Hintergrund haben eine 25% höhere Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, als Männer aus der gleichen Gruppe.
Warum ist das so?

Wie erkennt mensch einen Herzinfarkt?

Wenn man an einen Herzinfarkt denkt, dann haben wir alle Bilder im Kopf, an die wir denken. Meist greift da jemand an die Brust, klagt von Schmerzen im linken Arm. So in etwa. Das sind die häufigsten Symptome – bei Männern, nicht aber bei Frauen.
Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, haben häufig keine Brustschmerzen. Dafür gibt es Symptome wie Magenschmerzen, Atemlosigkeit, Übelkeit und Ermüdung. Diese Symptome werden in medizinischer Literatur oft als “atypische” Symptome beschrieben. Atypisch, da die Norm, das Typische vom Männlichen abgeleitet ist. Dass es nicht selbstverständlich ist, die geschlechtstypischen Unterschiede in Bezug auf Herzinfarkterleben zu vermitteln, führt wiederum dazu, dass weibliche Herzinfarkte häufiger fehldiagnostiziert werden und in der Folge zu einer höheren Sterblichkeitsrate bei Frauen.

Herzinfarkte und Geschlecht

Medizinische Richtlinien und Technologien werden oft anhand dessen entwickelt, was als Standard- oder Normalkörper gilt. Daher ist es von zentraler Bedeutung, welche Körper als Norm gelten. Oft wird der männliche Körper implizit als Norm gesehen. Die Entwicklung von Technologien und Richtlinien orientiert sich dann an dieser Norm.

• Medizinische Richtlinien basieren nach wie vor oft auf Symptomen, die typisch männlich sind.
• Standardtests, wie das Elektrokardiogramm oder Belastungstests sind bei Frauen weniger aussagekräftig.
• Bei Männern sind häufige Präventionsmaßnahmen wie Aspirin wirksam, bei Frauen unwirksam oder sogar schädlich.
Viele Testverfahren und Behandlungen sind entweder größtenteils anhand männlicher Untersuchungspopulationen entwickelt worden oder es wurde nicht auf geschlechtsspezifische Unterschiede geachtet. Teilweise ist es auch so, dass Daten von weiblichen Versuchsteilnehmer_innen fehlen.

2.Beispiel Fahrsicherheit

Frauen haben bei Autounfällen eine
• 47% höhere Wahrscheinlichkeit, eine schwere Verletzung zu erleiden und eine
• 17% höhere Wahrscheinlichkeit, zu sterben.
Wieso?
Standarddesigns für Chrashtest-Dummys beruhen auf dem männlichen Körper. Daher ist der am häufigsten genutzte Crashtest-Dummy 1,77 m hoch und wiegt 76 kg.
• Als Ergebnis folgt daraus, dass die Fahrzeugsicherheit für männliche Körper, die diesen Daten entsprechen, optimiert wurde.minismui
• Frauen haben durchschnittlich ein niedrigeres Körpergewicht und eine andersartige Körperzusammensetzung. Daraus folgt für sie ein höheres Verletzungs- und Todesrisiko.
Sogar wenn ‘weibliche’ Crashtest-Dummys genutzt werden, sind diese einfach eine kleinere Version der ‘männlichen’. Die unterschiedliche Körperzusammensetzung z.B. in Bezug auf die Fettverteilung wird nicht berücksichtigt.
• Die Fahrzeugsicherheit ist für schwangere Frauen noch geringer: Das Standarddesign von Sicherheitsgurten passt 62% der schwangeren Frauen im dritten Trimester nicht. Dass das zu schwereren Verletzungen bei Unfällen führt, liegt auf der Hand.

Wollt ihr wissen, was die Reaktion auf diese Beispiele war?

Einerseits: Betroffenheit. Unverständnis. Entrüstung. Warum macht man das in einer aufgeklärten Zeit noch immer so?
Andererseits kann man die andere Reaktion als mögliche Antwort darauf interpretieren:
• Es fahren doch eh viel mehr Männer Autos!
• Und: dann müsste man ja auch für Zwerge einen eigenen Dummy machen.
Was wäre das wohl für eine Welt, in der man bezüglich Sicherheit und Medizin Unterschiedlichkeiten bei Menschen berücksichtigt? Ich denke, eine Welt, die mir gefallen könnte! Also alles Gute zum Frauentag und frohes Feiern!

Auf dem kinderinfo-Blog findet ihr Beiträge über Warum sollen Mädchen Fußball spielen, Gendersensible Kinderbücher und viele mehr.

BriG

Fotos: ©pixabay

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