Kinderliteratur – Das hat Mama schon als Kind gelesen

Ein Gastbeitrag von Susanne Kummer. Als Vielleserin und Literaturbloggerin arbeite ich kontinuierlich daran, meiner 6-jährigen Tochter und meinem 8-jährigen Sohn die Faszination am Lesen zu vermitteln. Hier stelle ich euch ein paar Werke vor, die ich als Kind geliebt habe, und über die ich schon vor gut 30 Jahren gelacht habe.

Meine Mutter hatte eine Schachtel mit meinen gesammelten Kinderbüchern auf dem Dachboden, die wir nach und nach wieder hervorgekramt haben. Vielleicht finden sich auch eure alten Lieblingsbücher noch irgendwo gut verstaut? Während der Ausgangsbeschränkung war Zeit, die alten Schätze zu heben, und sich damit gemütlich mit den Kindern auf die Couch zu kuscheln.

Die Bücher, die ich vorstelle, sind noch aus einer anderen Welt, in der es keine Handys gab und kein Mikrowellenessen. Es gab sehr viel mehr unbeaufsichtigte Freizeit für Kinder und alles war viel langsamer. Trotzdem haben diese Klassiker noch eine Berechtigung, denn das Wesentliche bleibt gleich. Und die Witze zünden noch immer. Nur die Rechtschreibung hat sich geändert, was mich nicht besonders stört.

Jan und Julia

Margret Rettich (Autorin und Illustratorin), Catharina Westphal (Illustratorin), Oettinger Verlag (derzeit dürfen sie nicht verlegt werden)

Was heute Conni ist, waren in meiner Kindheit Jan und Julia. Das Geschwisterpaar erlebt einfache, alltägliche Geschichten, die jedes Kind aus seiner Lebenswelt nachvollziehen kann. Die Inhalte passen für Kindergartenkinder, aber auch für Leseanfänger. Die Titel der Bücherserie sind zum Beispiel „Jan und Julia verlaufen sich“, „Jan und Julia machen Urlaub“, „Jan und Julia kommen in den Kindergarten“ und mein Liebling ist gerade: „Jan und Julia bekommen einen Garten“, weil auch wir gerade einen Garten bekommen haben. Nur hoffe ich, dass bei uns das Kaninchen nicht den Salat wegfrisst.

Extrem schön finde ich die alten, farbenfrohen Illustrationen der Autorin, die etwas Nostalgie aufkommen lassen: die Mama trägt Glockenhose, die Familie fährt einen roten Käfer,…. Die alten Ausgaben (erschienen 1980) sind noch antiquarisch erhältlich. Wir haben drei Stück zuhause. Die neuen Illustrationen von Catharina Westphal sind blasser und die Figuren wirken weniger charakteristisch. Doch auch diese Bücher dürften derzeit nicht verlegt werden, weil sie auf der Verlagshomepage nicht aufscheinen. Allerdings kann man sie in den Wiener Büchereien ausborgen.

Die drei Stanisläuse

Vera Ferra Mikura (Autorin), Romulus Candea (Illustrator), Verlag Jungbrunnen

Sprich „Vera Ferra Mikura“ einmal laut aus und lass dabei alle Rs schön rollen. Wenn wir in der Schule Gedichte von dieser Autorin gelernt haben, war das genussvolle Aussprechen des Namen schon der erste Höhepunkt. Vera Ferra Mikura schrieb aber nicht nur eingängige Gedichte. Die Bücherserie „Die drei Stanisläuse“ verstehen schon Vorschulkinder.

Der alte Stanislaus, der junge Stanislaus und der kleine Stanislaus wohnen mit der Großmutter, der Mutter und Veronika in einem kleinen Häuschen mit Mäusen im Keller, die sie auch brav mit Wursthäuten füttern. Im Band „Die Mäuse der drei Stanisläuse“ wollen drei Mäusediebe die Mäuse der drei Stanisläuse stehlen und die drei müssen sich allerhand einfallen lassen, um sie zu verteidigen. In „Besuch bei den drei Stanisläusen“ kommen zuerst drei müde Zwerge zu Besuch, der kleine Zwerg, der mittlere Zwerg und der große Zwerg. Das sind angenehme Gäste, sie schlafen fast die ganze Zeit im Puppenzimmer. Doch später kommen die drei hungrigen Riesen vorbei, die die Vorratskammer auf einen Happs leeren, was die drei Stanisläuse sehr erschöpft.

Die Geschichten sind sehr phantasievoll angelegt, manches geht über die Realität hinaus. Sie sind sehr pointiert illustriert mit schwarzer Feder und einige Farbflächen von Romulus Candea. Anhand der drei Stanisläuse wird auch ein Generationenthema aufgegriffen.

Meist machen die drei Stanisläuse das Gleiche, aber es darf auch einmal einer anderer Meinung sein oder etwas anderes machen. Der kleine Stanislaus bekommt zum Beispiel vorsorglich Bauweh, wenn er weiß, dass es Kohlgemüse zu essen gibt.

Bärli Hupf

Mira Lobe (Autorin), Susi Weigel (Illustratorin), Verlag Jungbrunnen

Nachdem der Spielzeugteddybär Bärli Hupf einen Riss um Bauch hatte, aus dem Sägemehl herausgeronnen war, stopfen ihm die anderen Spielzeuge einen Gummiball in den Bauch und nähen ihn wieder zu. Im Gegensatz zum Sägemehl macht der Gummiball den kleinen Bärli Hupf sehr abenteuerlustig. Er klettert aus dem Fenster und trifft als erstes den schlauen Kasperl, der sehr viele, gute, aber unsichtbare Ideen in seiner Zipfelmütze hat. Gemeinsam brechen sie ins Abenteuer auf. Das führt sie an einen reißenden Fluss, zu einer traurigen Kuh und auch in den Zirkus.
Soviel sei verraten, die Abenteuer gehen gut aus. Und das beste ist, dass Kasperl und Bärli Hupf im zweiten Band „Bärli Hupft weiter“ wieder losziehen, um einen kleinen Eisbären Nunuk heim zu seiner Mama zu bringen.

Mira Lobe ist eine ganz großartige Autorin, nicht nur in ihren bekannten Werken. Das Buch ist kindgerecht mit Witzen und Wortspielen versehen, Weisheiten sind eingebettet, die mir jetzt erst als Erwachsene auffallen. Und immer wieder gibt es realistischerweise auch unfreundliche Zeitgenossen.

Die Tusche-Illustrationen stammen, wie bei fast allen Mira Lobe Büchern, von Susi Weigel. Mira Lobes bekanntestes Werk „Das kleine Ich bin Ich“ von einem Tier auf Identitätssuche kann man schon mit Kindergartenkindern durchnehmen. Die gereimte Verse gehen gut ins Ohr. Empfohlen sei auch das Buch „Die Omama im Apfelbaum“ von einem Buben, der sich eine Großmutter wünscht.

Der Kater Konstantin

Walter Wippersberg (Autor), F.J. Tripp / Carola Holland (Illustratoren),
Obelisk Verlag

Konstantin ist ein schwarzer Kater mit Brille. Und nicht nur das ist ungewöhnlich, er kann auch sprechen. Er versteht Redewendungen gerne wörtlich und sorgt damit für Verwirrung bei den Figuren im Buch und für Lacher bei den Kindern auf der Couch. Außerdem ist er, wie Katzen so sind, recht eigenwillig und ein wenig selbstverliebt. Wegen seiner Besonderheit werfen oft Menschen ein Auge auf ihn, die mit ihm Geld verdienen wollen.

In „Konstantin auf Reisen“ läuft Konstantin davon und kommt ans Meer, auch dort wollen ihm Leute Böses. Doch der schlaue Konstantin weiß sich zu helfen und wenn es ihm nicht alleine gelingt, unterstützen ihn die Kinder Uschi und Philipp und sein Erfinder Herr Fliederbusch.

Auch hier gibt es mehrere Bände. In „Kater Konstantin im Zirkus“ versucht Konstantin seine großen Verwandten die Löwen zu befreien und wird dabei selbst zur Attraktion.

Die alten Bücher wurden illustriert von F.J. Tripp in schwarz weißen Tuschezeichnungen, die neuen Bücher sind farbig gestaltet in einem Mix aus Tusche, Buntstiften und Wasserfarben von Carola Holland. Auch hier favorisiere ich ganz nostalgisch die alten Zeichnungen.

Gemeinsam lachen – Kinderliteratur

Es ist schön, gemeinsam mit den Kindern zu lachen, über das, worüber man schon selbst als Kind gelacht hat. Da liegt man plötzlich nicht als Elternteil und Kind auch der Couch, sondern fühlt sich gleich alt. Einen kurzen Moment lang, ist man wieder die bebrillte Volksschülerin mit Zahnlücken.

Und das Lesefeuer springt von ganz alleine vor euch auf die Kinder über.

Ich freue mich, dass ich als Gastautorin diesen Beitrag verfassen durfte. Ich bin 1977 geboren, habe 2 Kinder. Ich arbeite als Architektin, und betreibe den Bücherblog privatliteratur.blog. Einige wenige Kinderbücher stelle ich auch in meinem Blog vor, aber vor allem kümmere ich mich um Literaturempfehlungen für Erwachsene. Schwerpunkte liegen neben Romanen, die mich begeistern, auch auf Ratgeber und Sachbücher für eine bessere Welt, zum Beispiel zum Thema Zero Waste oder Konsumkritik. Schaut doch einmal vorbei!

Noch mehr Tipps für Kinderbücher findet ihr auch Blog und unter Tipps für zuhause.

Fotos (c) Susanne Kummer

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