Gemeinsam reparieren am re:pair Festival

Im Sommer ist mir eine meiner Lieblingssocken kaputt gegangen: ein Riesenloch unter dem Fußballen. Da ich nicht wusste, wie ich so ein großes Loch stopfen könnte, hab ich die Socken weggeworfen. Auch meine Brotdose ist kaputt. Die habe ich vor vielen Jahren von Jemanden geschenkt bekommen, der jetzt nicht mehr lebt. Ich häng an ihr und will sie auf keinen Fall wegwerfen. Da kommt mir das re:pair Festival im Volkskundemuseum gerade zur rechten Zeit.

Vom Reparieren

kaputte Brotdose (c) Brigitte Vogt

Reparieren war früher das Gebot der Stunde, egal, ob es der Besenstiel war, der kaputt ging, die Kleidung, die repariert und umgenäht wurde oder der “Pfannenflicker” der durchs Land zog. Heute, mit Fast Fashion und Elektronik, wo alles so billig erscheint, denken viele nicht mehr an reparieren. Dabei muss schon jemand die Kosten bezahlen. Wir sind wie die Heuschrecken und brauchen dabei die Ressourcen der Erde auf. Oft machen wir uns wenig Gedanken über die Welt, in der unsere Kinder einmal leben werden. Andere würden es gerne anders machen, aber wissen nicht, wie repartieren geht. Hier setzt das re:pair Festival an.

Das re:pair Festival im Volkskundemuseum

Die Ausstellung „Vor der Wegwerfgesellschaft“, ist Teil des re:pair FESTIVALs und frei zugänglich (c) RESI Slowfashion, re:pair Festival, Volkskundemuseum

Von 15.10. bis 6.11.2022 findet es statt. Dabei gibt es neben Vorträgen auch Werkstätten, wo ihr lernt, wie man Messer schärft, das Rad, die Postermöbel oder Elektrogeräte repariert. Die textile Flick-Werkstatt lädt an einem Termin auch speziell Familien ein und zeigt euch, wie ihr ein Loch in Shirt oder Hose kreativ und sichtbar flicken könnt.

Neben der Teppichambulanz, oder der ambulanten Sessel-Werkstatt könnt ihr dort auch im Happy Lab Reparaturtechniken mit dem 3D Drucker kennen lernen. Dabei finden Werkstätten auch an anderen Orten statt, z. B. dem Recyclingkosmos, wo wir einmal Etageren gemacht haben. Einige davon sind auch für Schulklassen und Hortgruppen reserviert.

Holzbehälter mit Knoblauch (c) Brigitte Vogt

Von der Reparatur von Lampenschirmen, über die Puppendoktorin bis zur Reparatur von Unterhaltungselektronik: Bei den Grätzel-Walks erfahrt ihr, wer was repariert oder könnt euch auch gleich mit den passenden Adressen eindecken. Diese finden in Kooperation mit dem Reparaturnetzwerk statt und mit dem Wiener Reparatur-Bon wird vieles auch noch günstiger. Den habe ich bei der Neubeschichtung meiner Badewanne genutzt.

Wer möchte erfährt bei den Lectures am re:pair-Festival aber auch vom ästhetischen Ideal des Wabi-Sabi, bei dem gerade das als schön gilt, was Spuren der Zeit, der Verwitterung, des Gebrauchs aufweist. Oder wie mit Kintsugi aus einer zerbrochenen Vase ein kleines Kunstwerk entsteht.

Salzbehälter mit kaputtem Deckel (c) Brigitte Vogt

Und es werden auch zwei tolle Filme im Rahmen des re:pair Festifals angeboten wie z. B. »Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen« oder »Die Lebenden reparieren«. Beide finde ich wirklich sehenswert!

re:pair the Future – Die fünf R der Nachhaltigkeit

Bestimmt seit ihr schon über die fünf R`gestolpert. Das sind sie:
1. Reuse – Wiederverwenden
2. Refuse – Ablehnen
3. Reduce – Reduzieren
4. Rethink – Umdenken
5. Recycle – Müllverwertung

Dabei kommt dem Reparieren ein wesentliche Aufgabe zu: Reparatur ist nämlich die Königsdisziplin der Kreislaufwirtschaft!

Visible Mending – reparierte Hose (c) RESI Slowfashion, re:pair Festival

Seit ich vom re:pair Festival gelesen habe, stoße ich zu Hause immer wieder auf Dinge, die sich für eine kleine Reparatur eigenen würden. Die Ideen sammle ich auf meinem Einkaufsblock hinten und bin gespannt, was ich da reparieren werden. Ich freu mich also schon darauf, denn ich hab die Erfahrung gemacht, dass ich in einer Gruppe oft mehr Motivation aufbringe. Da gehen mir selbst aufwendige Arbeiten leichter von der Hand und bei Fragen weiß meist jemand Rat.

re:pair FESTIVAL
Konsumierst du noch ober reparierst du schon?

Sa, 15.10. bis So, 6.11.2022
Festivalzentrale: Volkskundemuseum Wien
Programm: www.repair-festival.wien

BriG
Fotos (c) RESI Slowfashion, re:pair Festival – Volkskundemuseum, Brigitte Vogt

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