Ich habe zwar schon bemerkt, dass bei der Stadtwildnis am Gaudenzdorfer Gürtel gebaut wird, doch das Ausstellungsgebäude von Über Unten ist mir erst aufgefallen, nachdem ich den Termin dort gebucht habe. Aber nach den Regenereignissen im September hat mich das Jahrhundertprojekt Wiental Kanal zu interessieren begonnen und so habe ich es mir angeschaut. Ich finde, das ist auch eine passende Aktion: Zuerst die heutige Earth Hour – 20:30 bis 21:30 – mit einem DIY-Schattentheater feiern und nächste Woche etwas Aufbauendes zum Thema besuchen. Denn in dieser Ausstellung geht es auch um spannende Lösungen für die Zukunft.

Eins vorneweg: Ihr seht hier eine coole Ausstellung im Infocenter, aber es ist keine Baustellen-Besichtigung. Das ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Wer in die Kanalisation hinein möchte, sollte die 3. Mann Tour besuchen.
Der Eintritt ins Über Unten ist gratis und zu jeder vollen Stunde gibt es eine digitale Führung, für die man sich online im Buchungskalender anmelden kann. Es kommen anscheinend auch Schulklassen und sogar Kindergruppen vorbei, allerdings sind maximal 25 Personen gleichzeitig möglich.

Gut zu wissen: Im Infocenter gibt es keine Sitzgelegenheiten oder Sanitäranlagen. Das nächste WC findet ihr im Bruno-Kreisky-Park, 100 Meter vom Infocenter entfernt. Wenn ihr mit Kindern dort seit, bietet sich der coole Spielplatz dort auch für eine Rast nachher an.
Die Ausstellung zum Jahrhundertprojekt Wiental Kanal

Das Ausstellungsgebäude ist wie ein großes Kanalrohr im 7m Durchmesser, wie jenes das beim Wiental Kanal verlegt wird. Hier werdet ihr aber nicht in grauen Röhren sondern in einem bunten ansprechenden Raum durch die Zeit geführt werdet. Diese Führung mit einer Stimme dauert 20 Minuten, es bleibt aber dann noch Zeit, euch genauer Umzuschauen und Vertiefendes nachzulesen.
Ich muss ehrlich sagen, dass das Licht, dass mich weiterleiten hätte sollen, mir nicht immer klar gemacht hat, wo genau die Stimme mich jetzt haben möchte. Dafür waren es vermutlich zu viele Reize für mich: Die Stimme, die teilweise (oder eh immer?) den Text vorgelesen hat, der sich auf den Wänden rechts und links befand, Bilder und Videos, die zusätzliche Inhalte veranschaulichten, Lichtbalken, welche eigentlich hätten anzeigen sollen, bei welcher Station wir gerade sind, und zusätzlich noch wunderschöne bewegte Bildinstallationen: Anscheinend bin ich daher auch nicht die Einzige, die da ein bisschen Unterstützung brauchte.

Mein Tipp: Hört zuerst einfach einmal zu und macht euch keinen Stress. Nachher, wenn das Licht wieder angeht könnt ihr ihn Ruhe nochmal zurück gehen und genauer Nachlesen, was euch interessiert.
Ein Besuch bei Wien Kanal, der in Erinnerung bleibt
Aber es hat mir dort gefallen! Wirklich, wer hätte gedacht, dass man das Projekt Wiental Kanal so bunt und vielfältig und interessant aufbereiten kann? Die Ausstellung startet in der Vergangenheit, wo ihr von den Kanalbauten in Vindobona erfahrt und dass die Choleraepidemie 1831 zum Bau der ersten Wiental-Kanäle führte.

Einen großen Bereich nimmt die Darstellung der Bautätigkeiten in der Gegenwart ein. 2.500 km von Wien nach Paris und wieder zurück – so lang ist das Wiener Kanalsystem und transportiert 1,2 Milliarde Liter Abwasser pro Tag. Unglaublich und beeindruckend, dass das alles meist so gut funktioniert, dass man davon gar nichts mitbekommt.
Damit das auch bei Starkregen nicht ins Auge geht, gibt es schon jetzt riesige Speicherbecken. Aber auch die Kläranlage in Simmering wird erklärt und die Energiegewinnung aus dem schmutzigen Schlamm. Der letzte Raum ist nämlich der Zukunft vorbehalten.

Dabei geht es um des Abwassermanagements in Wien, wie z.B. Zukunftsweisende Projekte wie die Energiegewinnung im Kanal, die Schwamm Stadt oder die Renaturierung des Liesing Baches. Außerdem gibt es hier einige QR-Codes, die zu weiteren Informationen führen.
Die Ausstellung brachte mir wirklich die fast unsichtbare Tunnelbaustelle nahe und auch jetzt noch, wenn ich daran denke, ist da Staunen über die Vielfalt der Herausforderungen aber auch Möglichkeiten, die es hier gibt.

Über Unten
12., Stadtwildnis, Gaudenzdorfer Gürtel S
Unmittelbar neben dem Ausgang U4 Margaretengürtel
Öffnungszeiten
Donnerstag 14 bis 19 Uhr
Freitag 09 bis 14 Uhr
Samstag 10 bis 15 Uhr
Feiertags geschlossen
ueberunten.wien
Eintritt frei, Gruppen bis maximal 25 Personen

Lust auf mehr?
- Noch mehr Grün gesucht? Wärmt euch im Palmenhaus auf, schaut im Schmetterlingshaus vorbei oder besucht die Grüne Schule im Botanischen Garten.
- Ob Infocenter U2xU5 , FLIP-Museum oder Verkehrsmuseum Remise : Viele Ausstellungsbereiche sind gratis. Beschreibungen zu allen von uns besuchten Museen findet ihr hier: blog.kinderinfowien.at/museum
- Von einfachen Dingen, übers Kompostieren bis zum nachhaltigen Familienurlaub: Alle Beiträge, die sich mit Nachhaltigem Leben beschäftigen sind hier gesammelt: blog.kinderinfowien.at/nachhaltig-leben
BriG; Fotos (c) Brigitte Vogt