Umgang mit Sterben und Tod

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Jedes Jahr wurden ca. 5 Kinder geboren. Und jedes Jahr starben ca. 5 Menschen. Es gab ein Totenglöckchen, das den Erfahrenen ankündigte, dass gerade jemand gestorben war. Die Toten wurden 3 Tage zu Hause aufgebahrt, die Leute kamen zum Beten vorbei, redeten über die bzw. den Toten und dabei gab es oft lustige Erinnerungen, die zur Sprache kamen. Weinen und Lachen lagen da sehr nah beieinander. Ein erfreulicher Nebeneffekt für Kinder – wer an der Beerdigung teilnahm, musste nicht zum Unterricht – zumindest hab ich das so in Erinnerung.

Auf diese Art waren Leben und Tod ineinander verwoben. Sterben und beerdigt werden gehörte zum Dorfleben dazu, genauso wie die damit verbundene Trauer, die jedes Haus im Dorf schon getroffen hatte. Der Partezettel an der Haustür, der dann für ein Jahr die Trauer anzeigte und gleichzeitig Schutz signalisierte.

In der Stadt ist das anders. Das Totenglöckchen mag es auch hier geben, aber konnte ich es schon im Dorf nicht identifizieren, gelingt es mir hier gar nicht. Selten war ich in einer wiener Wohnung, in der grade jemand gestorben war, selten auf Beerdigungen. Das liegt auch daran, dass die meisten meiner Bekannten in meinem Alter und mit einer außergewöhnlich guten Gesundheit gesegnet sind. Gut so, denk ich mir.
Trotzdem befremdet es mich auch … Dass der Tod in der Stadt so weit weg zu sein scheint und meine 12-jährige Tochter bis dato kaum damit in Berührung kam.

Warum eigentlich?

Weil sie den Tod so nur im kleinen persönlichen Kreis kennenlernt, nur wenn jemand aus der nahen Familie oder aus dem Freundeskreis stirbt. Ich würde ihr ein bisschen Üben, ein Herantasten wünschen, bei dem das Verabschieden einem nicht gleich so nahe geht… Wo das geboren werden dem Sterben gegenüber: ein geschlossener Kreis des Lebens.
Aber vielleicht übernehmen das ja die Medien mit Katastrophenberichten und der Gier nach menschlichen Tragödien oder die Krimis, die jeden Abend ein paar Tote frei Haus liefern … Anders eben.
Und ich denk mir, es schadet nicht, wenn wir ab und zu darüber reden. Wenn wir mit unseren vielen Haustieren das Verabschieden üben, zum Beispiel das Begräbnis für unsere Hausmaus ausrichten. Und tolle  Kinderbücher darüber gibt es auch genug, auch wirklich schöne zum gemeinsam lesen.

Für all jene, die sich für Kinderbücher interessieren, die sich mit dem Thema beschäftigen hier ein paar Links:
www.kinderbuch-couch.de oder
www.rainbows.at/abschied-nehmen
www.da-sein.de/start
www.kindertrauerland.org

Noch ein Tipp:
Viele Bücher zum Thema können Kinder in den Wiener Büchereien gratis ausborgen.

BriG

Foto © Brigitte Vogt

2 comments on “Umgang mit Sterben und Tod

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