Teilen Tauschen Mehrfach Nutzen – Selbsterntefeld

(c) BriG

Habt ihr schon mit dem Gedanken gespielt, euch ein Selbsterntefeld zu mieten?
Wir hatten viele Jahre hindurch eine Parzelle auf einem Selbsterntefeld gemietet. Das war total praktisch. Bei uns wurde vom Hof ausgesät und zwei Mal während der Saison Unkraut gejätet. Außerdem wurde gegossen. Wir mussten uns also “nur” zwischendurch um das Unkraut kümmern und ernten 🙂 Ich finde es nach wie vor eine tolle Sache, und zwar aus vielen Gründen.

Selbsterntefeld – was auch mit Kindern dafür spricht

  • Erstens waren wir dadurch viel im Freien, in der Natur. Schließlich sind wir immer wieder zum Feld gefahren und haben uns dort umgesehen und ein bisschen gewerkt. Es tat uns allen gut, neben dem riesigen Sonnenblumenfeld am Spielplatz zu sitzen und den Tag ausklingen zu lassen. Der kleine Hofladen hat uns da auch gut bewirtet.
    Wir sind meist am Wochenende für ca 1,5h raus gefahren, da es sich unter der Woche nicht ausgegangen ist.
  • Wir teilten die Parzelle immer mit einer anderen Familie. Das machte mehr Spaß, war für die Kids unterhaltsamer und das Unkraut jäten wurde aufgeteilt. Außerdem konnten wir dadurch gelassen in Urlaub fahren – sie ernteten weiter.
  • Der Haschahof war ein Biobauernhof, daher waren alle Sachen Bio – eine wirklich günstige Geschichte, wenn man bedenkt, dass wir manchmal bis Weihnachten Kartoffeln und Zwiebeln hatten.
  • Ein wichtiger Punkt war auch, dass meine Kinder erleben konnten, wie die Sachen, die wir essen heranwachsen. Sie liebten es, frische Radieschen, Karotten, Paprika oder Tomaten zu ernten und gleich zu essen. Frisches Gemüse ist einfach unschlagbar gut!  Und wer weiß, wie schwierig es sein kann, Gemüse in Kinder hineinzubekommen, der wird diese Nebenwirkung erst richtig zu schätzen wissen.

Und last not least – Gärtnern macht dankbar

Ja, das denk ich wirklich, gärtnern macht dankbar. Man lernt nämlich einerseits ganz nebenbei, dass Landwirtschaft eine Sache ist, die stark von äußeren Einflüssen abhängt. Im einen Jahr regnete es einfach zu viel, da haben wir fast nichts geerntet, weil das Feld immer wieder unter Wasser stand. Und man erfährt, wie viel Arbeit in unserem Gemüse steckt: Säen, Umkraut jäten, gießen, hegen und pflegen, an stocke binden oder die Hasen und Vögel verscheuern und dann das ernten, putzen, waschen. All das gibt richtig viel Arbeit. Wenn wir im Geschäft Gemüse kaufen, vergessen wir das leicht und nehmen uns dadurch einen Grund mehr, dankbar zu sein, dass das alles jemand für uns gemach hat.

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Worauf man bei einem Selbsterntefeld achten sollte

Welche Erwartungen haben die Beteiligten? 

Wenn man sich die Erwartungen zu hoch steckt z. B. so viel Ertrag wie möglich herauszuholen oder möglichst autark zu werden, dann kann das schnell in richtig viel Arbeit ausarten. Überlegt euch daher eure Ziele und besprecht die nicht nur miteinander sondern auch mit erfahrenen Gärtner_innen. Die können euch dann sagen, ob das realistisch ist oder wie viel Arbeit ihr dafür aufwenden müsst. Nicht nur in der eigenen Familie sondern besonders auch wenn ihr euch mit anderen Familien zusammentut, sind solche Absprachen wichtig. Dabei können idealerweise schon im Vorfeld unterschiedliche Erwartungen aufgeklärt werden.

Bedenkt auch den Weg mit.

Unser Feld war kaum mit Öffis zu erreichen. Zusätzlich lag unsere Parzelle lmitten drinnen in einem riesigen Erntefeld. Dazu musste man manchmal ein ganz schönes Stück gehen. Kleine Kinder können das rigoros verweigern, besonders wenn am Ende nur ein Stück nackter Erde wartet, das man nicht betreten soll. Auch beim Mithelfen gab es manchmal Unstimmigkeiten, da die Kinder beim vermeintlichen Unkraut jäten oft allerhand Fruchtbares mit entfern haben. Übrigens, am Anfang ist es gar nicht so einfach, Unkraut von Fruchtbringendem zu unterscheiden, wenn ihr keine erfahrenen Gärtner_innen seit. Da waren wir immer wieder um Mitgärnter_innen froh.  Das Ernten selbst ist meist auch für kleine Kinder eine Freude.

Wie passt es zeitlich in euren Tagesablauf?

Für uns war es gar nicht so einfach einen geeigneten Rhythmus fürs Feld in unserem Alltag zu finden. Unter der Woche war es meist schwierig. Auch die Tageszeit musste erst gefunden werden. Im Sommer, wenn die Sonne herunterbrennt kann eigentlich nur der Abend wirklich sinnvoll genutzt werden, wenn man keinen Sonnenstich riskieren will. Aber hat man Abends wirklich noch Lust dazu? Wir sind oft nach dem Schwimmen mit dem Auto hingefahren. Da konnten sich die Kinder ein Power Schläfchen gönnen und wir ließen den Abend beim Hofladen mit den Freunden ausklingen. Das hat gut zu unserem Ablauf gepasst, auch wenn dann die Kinder manchmal später ins Bett gekommen sind.

Achtet darauf, dass die Parzelle nicht zu groß ist.

Einerseits macht die Größe doppelt Arbeit. Nicht nur in Bezug aufs Unkraut jäten. Manchmal wurde so viel auf einmal reif, dass wir fieberhaft nach Rezepten suchen und Vorratshaltung betreiben mussten. Da das nicht immer in die momentane Situation hineinpasst, haben wir immer wieder unsere Freundinnen und Nachbarinnen mit überschüssigen Zucchinis oder roten Rüben beschenkt.

Wie viel Arbeit müsst ihr investieren?

Manchmal kann oder muss man selbständig säen, Unkraut jäten ist meist eine Arbeit, die immer wieder anfällt was auch fürs Gießen gilt. Uns war es wichtig, dass wir nicht ständig zum Gießen hinausfahren mussten. Das Gärtnern sollte nicht unseren gesamten Bedarf decken, oder möglichst viel abwerfen, sondern eine Möglichkeit sein, ein bisschen mehr von der Natur und dem Reifen des Gemüses mitzubekommen. Dementsprechend locker gingen wir auch mit dem Unkraut jäten um oder damit, dass Tomaten einfach auch unter der Woche reif werden und wir sie dann am Wochenende nicht mehr ernten können. Manchmal hatten wir Mitgärnter_innen, die es mit dem Unkraut jäten besonders ernst nahmen und auf der abgeernteten Fläche von z. B. Radieschen oder Bohnen noch etwas ansäten. Das gibt dann natürlich mehr Arbeit, dafür erntet man eben idealerweise auch mehr.

Die lieben Nachbar_innen:

Da diese Parzelle von anderen umgeben war, kam es manchmal vor, dass eine angrenzende Parzelle nicht gepflegt wurde. Es kann ja sein, dass jemand erkrankt, sich übernommen hat oder aus anderen Gründen keine Zeit für sein Selbsterntefeld findet. Dies ist auch okay, allerdings kann es sein, dass dann das Unkraut auf dieser Parzelle ein Freudenfest feiert und sich ausbreiten möchte.
Manchmal hat man auch Nachbar_innen, die die Grenzen nicht so ernst nehmen und sich schon mal bei uns bedient haben während andere ihre Grenzen genau abgesprochen haben und penibel darauf achteten.
Andererseits können auch Freundschaften mit Nachbar_innen entstehen und alles läuft wie geschmiert.

Und natürlich das liebe Wetter:

Und natürlich kann man das Wetter nicht beeinflussen – davon hängt ab, was in welchen Mengen reif wird – oder eben nicht. Ich liebe Erbsen, aber leider haben wir so gut wie nie welche geerntet, dafür sind die roten Rüben wunderbar gediehen und schienen sich auch nicht vom Wetter beeinflussen zu lassen. Also erwartet nicht zu viel, geht es langsam an und legt euch eine Portion Gelassenheit zu, dann freut ihr euch sicher an eurer Ernte.

Warum es sich für Michaela von littleebee aufgeackert hat, könnt ihr hier nachlesen. Übrigens: Hier erfahrt ihr, wo ihr Pflanzen tauschen könnt und welche Erfahrungen meine Kollegin mit Garteln mit Kindern machte mit Urban Gardening könnt ihr hier nachlesen. Noch mehr Tipps für nachhaltiges Leben mit Kindern findet ihr auf unserer gleichnamigen Seite

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BriG
Fotos © Brigitte Vogt

8 comments on “Teilen Tauschen Mehrfach Nutzen – Selbsterntefeld

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