Integration – Ankommen – zu Hause sein

Die Welt wird immer kleiner. Wird sie das? Oder sind Menschen nicht immer schon gewandert, gereist, geflüchtet und den Herden nachgezogen? Integration war immer schon ein Thema. Auch heut ist es so:

  • Menschen reisen, lernen jemanden kennen und bleiben dann in der Fremde.
  • Andere gehen zum Studium oder für ein Praktikum weg von zu Hause und bleiben dort.
  • Wieder andere zwingen kriegerische Auseinandersetzungen zur Flucht,
  • während manche die Hoffnung nach Arbeitsmöglichkeiten in die Ferne zwingt.

Eine sehr nette Bolivianerin, die ich über Willhaben kennengelernt habe meinte auf die Frage, ob Sie sich in Wien zu Hause fühle, „Ja! Wissen Sie, ich bekomme so viel Liebe von den alten Menschen.“ Sie arbeitet als Pflegeassistentin und bezieht sich auf ihre Patient_innen: „So viel Liebe, die sind so nett zu mir! Wie sollte ich mich da nicht zu Hause fühlen!“ Und dennoch gibt es das Leben zwischen den Kulturen, die Sehnsucht nach den Lieben, von der auch meine Kollegin hier geschrieben hat. Und manchmal gibt es auch Schwierigkeiten, sich in gänzlich andere Zusammenhänge zu integrieren. Diese Bücher beschäftigen sich damit, wie das Leben in der Fremde sein kann.

Ankommen in der Fremde

Zu Hause sein, sich sicher und geborgen fühlen. Fremd sein, in der Fremde unter Fremden vielleicht auch noch allein sein. Die Sprache nicht verstehen, die Sitten und Gebräuche erst kennen lernen müssen. Vielleicht nicht willkommen sein, Ablehnung erleben. Sich nach Vertrautem, nach seinen Lieben sehnen, vielleicht sogar Angst um sie haben. Und dennoch: Ankommen in der Fremde, sich einlassen auf Menschen, die neue Sprache, die anderen Sitten. Wie erleben das Kinder? In folgenden Büchern wird es aufgegriffen.

(c) BriG

Großvaters Reise. Allen Say. Edition Bracklo

Dieses Buch handelt vom Leben in zwei Kulturen und der Sehnsucht, die damit einhergeht. Der Großvater des Erzählers, verließ als junger Mann Japan um die Welt anzusehen. Das Reisen und das Kennenlernen neuer Orte und unterschiedlicher Menschen faszinierte ihn. Er kehrte nach Japan zurück, heiratete und ließ sich mit seiner kleinen Familie in San Francisco nieder. Ihm gefiel das Sonnenlicht dort, die Berge und die Meeresküste, dennoch vermisste er Japan. Als seine Tochter fast erwachsen war, kehrte er mit seiner Familie nach Japan zurück. Er genoss es, dass dort alles so war, wie er es in Erinnerung hatte. Doch seine Tochter war im Dorf nicht glücklich, die Integration fiel ihr dort schwer, daher zogen Sie in die Stadt. Dort verliebte sich die Tochter, heiratete und der Ich-Erzähler wurde geboren. Der Großvater erzählte ihm oft von Kalifornien und sehnte sich danach, sodass er eine Reise dorthin plante. Doch der Krieg kam und machte es unmöglich. Als junger Mann besucht er Kalifornien und liebt es. Dennoch: „Es ist schon komisch, aber wann immer ich in dem einen Land bin, habe ich Heimweh nach dem anderen.“ Ein sehr schönes Buch, das mit entzückenden Bildern den Text unterstreicht.

(c) BriG

Himmelskönig. Nicola Davies, Laura Carlin. Aladin Verlag

Das ist ein wunderschönes Buch mit herrlichen Zeichnungen, leicht und luftig, und einem Text, der mein Herz berührt hat und aufzeigt, dass Integration immer beide Seiten betrifft. Die Geschichte spielt irgendwo in hügeligem Umfeld, wo Fabrikschlote rauchen. Der Ich-Erzähler ist ein Junge, dessen Sprache hier niemand spricht und der öfter zu hören bekommt: „Du gehörst nicht hierher“. Er sehnt sich nach Sonnenschein und nach Vanilleeis. Dann lernt er Mister Evans kennen, der einen Taubenschlag hat. Mister Evans ist alt und hat ein Lungenleiden, darum spricht er so langsam, das der Junge ihn verstehen kann. Gemeinsam bereiten sie die Tauben auf Wettflüge vor. Mister Evans ist überzeugt, dass eine seiner Tauben ein geborener Sieger ist. Mister Evans wird immer schwächer und so bringt der Junge Himmelskönig, die Siegertaube zum Zug wo sie für den großen Wettkampf verschickt wird. Der Junge zweifelt, 5000 km wird die Taube das schaffen? Was hier zwischen den Zeilen angedeutet, in wunderschönen Bildern dargestellt wird, ist berührend und lässt uns hoffen. Hoffen, dass es für alle Menschen Mister Evans und Tauben geben möge, die ihnen Heimat in der Ferne sein können.

(c) BriG

Peter in Gefahr. Mut und Hoffnung im Zweiten Weltkrieg. Helen Bate. Moritz Verlag

Dieses Buch ist als Graphic Novel gestaltet, mit schlichten, aber aussagekräftigen Bildern und kurzen Texten. Hier wird die vertraute Heimat plötzlich fremd, denn das Buch handelt vom jüdischen Kind Peter, der in Budapest während dem Weltkrieg aufwächst. Er und seine Familie überleben den Krieg nur, weil sie sich verstecken, immer wieder auch getrennt. Es ist kein leichtes Thema, das hier aufbereitet wird, aber solange es Kriegsgebiete gibt, ist es wichtig, für das damit verbundene Leid zu sensibilisieren. Dies geschieht hier sehr behutsam, konsequent aus kindlicher Sicht erzählt, die Spiel und Freude auch dort noch wahrnimmt, wo rings herum alles im Chaos versunken ist. Auf den letzten Seiten könnt ihr einen Überblick über den Holocaust in Ungarn nachlesen. Auch lernt ihr Peter und seine Familie kennen, der mittlerweile in Österreich lebt. Ein dichtes und sehr wertvolles Buch, das die Erlebnisse eines kindlichen Zeitzeugen weitergibt.

„Wir“ (Tyrolia Verlag) und andere Bücher zum Thema Diversität findet ihr hier. Kinderbücher, die sich mit dem Thema Flucht & Asyl auseinandersetzen, haben wir hier gesammelt. Beiträge, die sich mit Mehrsprachiger Erziehung beschäftigen könnt ihr hier nachlesen.

Da wir in der kinderinfo gerne lesen, stellen wir euch hier im kinderinfo-Blog immer wieder Kinderbücher vor:

BriG
Fotos (c) Brigitte Vogt

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