Philosophieren mit Kindern

Manche Gespräche mit Kindern entwickeln sich in eine Richtung, die an den Philosophie-Unterricht erinnert. Wie weit geht das Universum und was ist dahinter? Ist arbeiten besser als Schule? Was ist nach dem Tod? Manche Kinderfragen kann man beantworten, bei anderen macht man sich selbst mit ihnen auf die Suche. Da, bei diesen Fragen, wo es ums gemeinsame Fragen und nachdenken geht, da fängt für mich Philosophieren an. Philosophieren mit Kindern im Alltag.

(c) Heidrun Henke

Aber ist das schon Philosophie? Sind die überhaupt sinnvoll, wenn man keine philosophische Vorbildung hat? Was ist Philosophieren mit Kindern eigentlich? Und was lernen Kinder bei solchen Gesprächen?Dazu haben wir Uly Paya befragt, der die Akademie “Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen” leitet.

Ab wann sind Kinder fürs Philosophieren zugänglich?

Philosophieren bedeutet, sich im geschützten Rahmen mit einem wichtigen Thema auseinanderzusetzen. Dabei steht das gemeinsame Forschen und Austauschen im Mittelpunkt. Es ist eigentlich eine Kulturtechnik. Das Philosophieren eignet sich daher schon für Kinder ab einem Alter von 3 Jahren, wobei die Methode und die Themen natürlich stets dem Alter angepasst werden.

(c) Christoph Liebentritt

Kinder entwickeln dabei Sprachkompetenzen und lernen auch eine neue Art des Zuhörens kennen. Dadurch wird eine Wertschätzung erfahren, die sich auf die Gemeinschaft auswirkt.

Welche Fragen eigenen sich zum Einstieg?

Im Grunde eignen sich alle wichtigen Lebensfragen, um darüber zu sprechen und gemeinsam nachzudenken: Was ist ein Gefühl? Was bedeutet Anderssein? Woher kommt der Mut? usw.

Die Fragen und Themen hängen aber auch davon ab, ob das Philosophieren als Bildungsprinzip angewandt wird. Da vergleiche ich es gerne mit dem Tanzen: Hin und wieder ein wenig Tanzen oder ein paar Tanzübungen zu machen, ist relativ leicht umzusetzen. Aber so richtig ins Tanzen und ins Tanzgefühl hinein zu kommen, sich einen Tanz zu verinnerlichen oder gar eine Choreographie einzuüben, das ist dann schon ein ganz anderer Prozess.

(c) Heidrun Henke

Und so ist das auch beim Philosophieren. Es braucht schon seine Zeit, um mit den eigenen Gedanken in eine Art Fluss zu kommen. Ich sehe es bei mir nach 17 Jahren. Es macht unglaublich viel Spaß und ich fühle mich jedes Mal reich beschenkt, egal ob ich einen Workshop anleite oder an einem Gespräch teilnehme.

Warum ist philosophieren mit Kindern überhaupt sinnvoll?

Das gemeinsame Philosophieren unterstützt die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung, indem es ihre Fähigkeit zum Dialog und zum demokratischen Miteinander fördert und dazu anregt, kreativ zu denken. Beim Philosophieren setzt man sich zudem mit dem Wesen und der Bedeutung von Gefühlen, Wahrnehmungen und Werten auseinander. Dabei reflektiert man die eigenen Ideen und Vorstellungen mit jenen der anderen.

Worauf muss man achten?

Das Philosophieren als gelebtes Kulturprinzip beinhaltet gelebte Wertschätzung, qualitatives Zuhören, Bezüge herstellen, Reflektieren, Zusammenfassen oder eigene Gedanken formulieren.

(c) Aleksandra Kawka

Zudem wird Philosophieren immer in Kombination mit kreativem Malen, Schauspielen, Schreiben oder anderen Workshops gelebt. Dahinter steckt eine recht umfangreiche Methode, die man allerdings lernen müsste, um sie adäquat anwenden zu können.

Und kann man das auch machen, wenn man selber nicht so viel Philosophische Vorbildung hat?

Das Philosophieren ist grundsätzlich nicht nur in der Philosophie oder Philosophiegeschichte zuhause, sondern es ist eigentlich eine Kulturtechnik und auch ein Bildungsprinzip. Mit Kindern in der Gruppe einfach über ein Thema zu reden, ist grundsätzlich ohne Vorbildung möglich. Philosophische Einheiten mit Kindern umzusetzen ist allerdings eine unterschätzte Herausforderung. Es sieht leichter aus als es ist. Ähnlich wie beim Tanzen, wo es unterschiedliche Methoden und Tänze gibt, bedarf das Philosophieren in jedem Fall das Erlernen einer Methodik und Übung.

Könnten Sie vielleicht auch Bücher vorstellen, die dabei hilfreich wären?

Es gibt mittlerweile Unmengen an Büchern über das Philosophieren mit Kindern. In den Seminaren sehe ich oft, dass die Theorie zwar klar ist, dass aber die Umsetzung eine ganz andere Herausforderung darstellt. Wieder der Vergleich: Würden Sie das Tanzen anhand eines Buches erlernen wollen? Es kann ein Buch aber eine wunderbare Ergänzung zur Praxis sein.

(c) Aleksandra Kawka

In meinem letzten Buch “Fragen, Forschen, Glücklichsein” beschreibe ich das Philosophieren mit Kindern aus meiner langjährigen Erfahrung und biete dabei Details und Hinweise für und aus der Praxis an.

Gastbeitrag von Uly Paya, Leitung der Akademie Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter wir-philosophieren.at:

Ich bin zertifizierter Erwachsenenbildner sowie speziell ausgebildeter Trainer für das “Philosophieren mit Kindern”. Die vielen praxisnahen Erfahrungen im Philosophieren (seit 2006) sowie aus meiner langjährigen pädagogischen Tätigkeit als Lehrer (seit 2001) gebe ich gerne in den Ausbildungen weiter. Meine Berufung und Leidenschaft als Physiker, Maler und Musiker lasse ich zudem in diese Arbeit mit einfließen. Meine persönliche Webseite lautet www.uly-paya.com

Bücher die sich zum Philosophieren mit Kindern eignen
  • Auch Kinderfilme können sich für die Auseinandersetzung für philosophische Themen eigenen, ganz besonders wenn die Kinder dabei die Hauptrollen spielen wie z. B. bei Als Hitler das rosa Kaninchen stahl oder Selma, welches die Geschichte von Martin Luther King aufgreift. Aber auch, wenn es um das Thema Identität geht, haben Kinderfilme einiges zu bieten.
  • Möglichkeiten zum Thema Forschen & Entdecken für Kinder haben wir hier zusammengestellt.

Interview mit Uly Paya, Leiter der Akademie “Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
BriG
Titelbild (c) WIENXTRA, Aleksandra Kawka; Fotos (c) WIENXTRA, Aleksandra Kawka, Heidrun Henke,

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