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Achtsamkeit – bewusstes Leben mit Kindern

Achtsamkeit ist in. Alle reden davon, lesen Bücher dazu, hören Achtsamkeitsmeditationen, besuchen Kurse und versuchen sich in Achtsamkeits-Übungen. Aber worum geht es dabei eigentlich?

Achtsamkeit bedeutet, bewusst wahrzunehmen was gerade ist.

Dabei geht es nicht darum, ruhiger, gelassener oder fröhlicher zu sein, als man ist. Obwohl wir uns oft genau das von Achtsamkeits-Übungen erhoffen. Es geht darum, wahrzunehmen, was gerade jetzt in diesem Moment da ist: Welche Gedanken, Gefühle, Stimmungen oder Körperempfindungen sind da? Das kann ruhig, gelassen oder fröhlich sein, das kann aber auch unruhig, gehetzt, getrieben oder unzufrieden sein. Da kann ein Schmerz, eine Trauer oder Überforderung sein. Als berufstätige, getrennt lebendende Mutter weiß ich, wovon ich rede. Da gibt es auch diese unangenehmen Gefühle und die stressenden Gedanken, die Do to Listen, die nie enden wollen und Schmerzen im Knie. Warum also achtsam sein?

Wozu die ganze Achtsamkeit?

Weil unser Leben begrenzt ist. Weil wir unserem Leben nicht mehr Tage hinzufügen können, aber den Tagen mehr Leben. Durch Achtsamkeit, durch bewusstes “im Moment sein” fühlt sich nämlich das Leben voller, intensiver an. Und: Schmerzen, Leid, Trauer, die ja zu jedem Leben dazu gehören, werden dadurch anders.

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(c) Brigitte Vogt

Achtsamkeit mit Kindern

Ich finde, Kinder sind die besten Helfer_innen beim achtsamen Leben!

  • Wenn sie gehen lernen ist jeder Schritt so bewusst gesetzt, wie es in der Gehmeditation wünschenswert wäre. Alles was sie sehen, wird so intensiv untersucht, als wäre es einzigartig: Ganz egal ob das der Karottenbrei, der Stein im Park oder die Stufe zum Geschäft ist. Etwas, das bei Übungen zu achtsamem Essen oder achtsamem Sehen wieder geübt wird.
  • Eile ist Kindern fremd, wenn sie laufen, dann deswegen, weil sie Freude an der Bewegung haben. Es dauert noch, bis sie Wunschlisten führen, Morgen ist noch kein Konstrukt das geplant werden muss. To Do Listen gibt es noch keine. Über weite Strecken leben sie im Moment. Und da sind wir wohl wieder bei Achtsamkeit gelandet.
  • Kinder lehren uns das Loslassen: Wir wissen, dass die Kinder schnell heranwachsen, groß werden und dass jede schöne Phase mit ihnen vergehen wird. Das macht viele Momente so wertvoll: Wir nehmen sie intensiv wahr, machen Fotos und schmelzen beim Betrachten dahin. Achtsamkeit pur, auch ohne Foto 😉
  • Sie lehren uns, Vertrauen ins Leben zu haben, wenn sie auf das mannshohe Klettergerüst klettern, zur Schullandwoche fahren oder ihren ersten Urlaub allein ohne Eltern machen.

Daran lässt sich wunderbar anknüpfen.

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Achtsamkeit üben im Alltag

Setzt dort an, wo es euch leicht fällt, euren Kindern liebevolle, wohlwollende, freundliche Aufmerksamkeit zu schenken. Genießt den Moment. Nehmt euch Zeit dafür, ihn bewusst wahrzunehmen. Konkret kann man sich z. B. darauf konzentrieren

  • das glockenhelle Lachen eines Kindes bewusst wahrnehmen
  • oder dem Kind bewusst beim Spielen, Essen, Hausaufgaben machen oder Schlafen zusehen
  • Entwicklungsschritte wahrzunehmen: Gehen lernen, Klettern – oder Schwimmen lernen, Schularbeiten schreiben, sich als Jugendliche-r kennenlernen, Demonstrieren oder Wählen gehen

Achtsamkeit, wenn es schwierig wird

Achtsamkeit bedeutet aber nicht, dass man sich nur den schönen, glücklichen Momenten zuwendet. Es bedeutet vielmehr, wahrzunehmen was im Moment da ist, was uns beschäftigt. Wenn da Unangenehmes ist, Fehler, Missgeschicke, Schmerzen oder Unachtsamkeit die andere verletzte, dann geht es darum, auch diesen Zutänden mit Mitgefühl, Wohlwollen und Verständnis zu begegnen. Sich selbst genauso freundlich, verständnisvoll und großzügig zu behandeln, wie die beste Freundin oder einen lieben Freund. Auch dies fällt uns oft mit unseren Kindern leichter als mit anderen, zumindest bis sie in die Pubertät kommen. Aber man kann immer wieder üben:

  • Wie reagiere ich, wenn mein Kind in der Sandkiste seine Spielsachen nicht mit anderen teilen will und mir das unangenehm ist?
  • Oder wenn Geschwister sich ständig streiten?
  • Wo verspanne ich mich, wenn mein Kind schüchterner oder extrovertierter ist, als ich mir das wünsche?
  • Wie geht es mir, wenn meine Tochter eine schlechte Note bekommen hat, weil sie meinte, sie müsse auf die Mathe-Schularbeit nicht lernen obwohl ich sie bat es zu tun?
  • Wenn sich die Schmutzwäsche im Zimmer meines jugendlichen Kindes türmt, wo spür ich das im Körper: Ist das der Knäuel im Magen oder krieg ich eine enge Brust bevor ich am liebsten explodieren möchte?

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Meist reagieren wir im Alltag automatisch. Aber man kann üben, auch in schwierigen Situationen innezuhalten. Vieles braucht gar keine sofortige Reaktion, kann warten, bis man selbst ein bisschen ruhiger ist, einmal darüber geschlafen hat oder einen guten Tag hat. Ich bin dabei zu lernen, dass es viel mehr Sinn macht, auch und gerade Schwieriges am Zusammenleben nicht sofort wenn ich genervt bin, anzusprechen, sondern dafür unseren Familienrat zu nutzen.

Interesse an mehr zum Thema Achtsamkeit? Lest nach, wie ihr mit Achtsamkeit Stress reduzieren könnt und euch Selbstmitgefühl dabei helfen hilft. Ihr habt das Gefühl, keine Zeit für euch zu haben? Vielleicht hilft euch ein Zeitgutschein oder ein Zeitloch?

BriG
Fotos (c) Brigitte Vogt

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