Als Familie durch die Krise gehen

Die letzten Monate haben uns gefordert. Mit einer Pandemie in einem solchen Ausmaß haben wir nicht gerechnet. Plötzlich sind wir mit Problemen konfrontiert, auf die wir weder vorbereitet sind noch Strategien entwickelt haben. Und wir gehen sehr unterschiedlich damit um.

Unsere äußeren Lebensumstände sind unterschiedlich

Viele haben während der Pandemie gemerkt, wie Wohnen, Arbeiten, Sozialkontakte auf das eigene Erleben wirken: Größe und Lage unserer Wohnung, Home-Office oder Systemerhalterin, alleinerziehend oder zu viele Menschen zu Hause. Und wir haben auch gemerkt, wie unterschiedlich wir psychisch mit einer Krise umgehen können.

Pandemien sind Krisen, die uns unerwartet treffen. Aber auch Schicksalsschläge wie der Tod oder die Trennung von geliebten Menschen, Krankheiten oder Unfälle können Krisen auslösen. Und ein Schicksalsschlag kann sehr individuell als solcher gesehen werden: Auch Veränderungen von Lebenssituationen können Krisen auslösen, die bewältigt werden müssen.

Wichtig ist zu erkennen, dass wir in einer Krise stecken

Als psychosoziale Krise wird ein seelischer Zustand beschrieben, bei dem eine Person/eine Familie mit einem Ereignis, einem schmerzhaften Erleben, einem Hindernis, einem inneren Konflikt oder einem überraschenden Erlebnis konfrontiert wird, die es zu bewältigen gilt, für die allerdings bisher Problemlösungsstrategien fehlen. Kurz gesagt: Eine innere psychische Krise entsteht dann, wenn ein Mensch vor einer (Lebens-)Aufgabe steht, für die ihm Bewältigungs-Strategien fehlen. Manchmal möchte man am liebsten nicht wahrzunehmen, wie eng es sich anfühlt, doch zu erkennen, dass man in einer Krise steckt ist der erste Schritt in Richtung Bewältigung.

Unbewältigte Krisen – dauerhafte Folgen

Wenn eine Krise dauerhaft ist und nicht bewältigt wird, so kann sie zu einer chronischen Krise führen, die eine Reihe an Gefahren mit sich bringt. So können sowohl anhaltende Schlafstörungen, Angststörungen aber auch Depressionen u.a. Folgen einer lang andauernden, unbewältigten Krise sein.

Hilfreiches in der Krise – wie kann ich mir helfen?

Suche die Beziehungen zu deinem sozialen Umfeld
Bezieht euer soziales Umfeld und Menschen ein, die euch guttun. Sprecht über eure Gedanken und Gefühle. Weil auch innerhalb der Familie unterschiedliche Bewältigungsstrategien bestehen, sucht auch für eure Kinder Menschen, die ihnen guttun und denen sie sich öffnen können.

Setz dich nicht unter Druck und stell dir keine großen Anforderungen
Eine Krise löst Reaktionen aus, die oft in unterschiedlichen Phasen ablaufen: Schock, Gefühlsausbrüche, Bearbeitung, Neuorientierung. Diese Phasen können durchaus mehrmals und parallel ablaufen. Seit freundlich zu euch. Verzichtet auf zusätzlichen Druck beim Tempo der Bewältigung. Und jedes Mitglied der Familie hat vielleicht ein unterschiedliches Tempo.

Es gibt auch hilfreiche in der Natur
Wenn zu den inneren Auswirkungen der Krise Gefühle wie Unruhe, Angst oder Schlafstörungen hinzukommen, scheut euch nicht davor, diese Beschwerden mit pflanzlicher Unterstützung zu verringern, um den Kopf für Wichtiges frei zu bekommen. Lass dich von medizinisch ausgebildeten Menschen unterstützen!

Tief durchatmen und entspannen
Da in der Krise häufig – ähnlich wie bei anhaltendem Stress – eine Art Tunnelblick entsteht, können Entspannungsübungen hilfreich sein, um den Kopf wieder für neue Lösungen und Strategien freizubekommen.

Die eigenen Erfahrungen, die eigene Stärke nutzen
Fragt euch, wie ihr Krisen bisher gemeistert habt und überlegt neu, wie ihr diese vorhandenen Bewältigungsmechanismen nun einsetzen könnt.

Ein schwacher Trost in der Krise und doch: Wir werden dadurch auch widerstandsfähiger.

Mit der Bewältigung haben wir eine weitere Problemlösungsstrategie erworben, die uns bei künftig ähnlich gelagerten Situationen mit einem zusätzlich emotionalen Werkzeug ausgerüstet hat.

Und trotzdem wünsche ich euch ganz tief aus meinem Herzen keine Schicksalsschläge und keine schmerzhaften Erlebnisse. Aber schon im Niederschreiben dieser letzten Zeile stocke ich. Das Leben an sich birgt Veränderungen, Tod, Trennung. Das ist sozusagen dem Leben eingeboren.
Wie manches andere auch dem Leben eingeboren ist: der Frühling, die Geburt eines Kindes, das Verliebtsein….

Gastbeitrag von Sabine Krones, Leitung WIENXTRA-Kinderinfo
Fotos (c)

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