Familienurlaub – Planung ist die halbe Miete

Letzte Woche haben wir im Team die Urlaube fixiert und gleich am nächsten freien Tag war ich in der Hauptbücherei. Egal ob Radurlaub, Wanderrouten oder Städteurlaub: Die haben einfach für alle etwas. Wir wissen schon, was für einen Familienurlaub wir machen wollen – Kanuwandern, aber wir wissen noch nicht, wohin. Daher hab ich mich mit verschiedenen Reiseführern eingedeckt und freu mich schon auf´s Planen. Vielleicht gerade weil die letzten Tage viele schlechte Nachrichten gebracht haben tut es gut, sich auch ab und zu auf anderes auszurichten und ein bisschen Vorurlaub zu machen. Wie unsicher die Zukunft sein kann, haben uns auch die letzten Jahre gelehrt.

Wisst ihr schon, wo es hingehen soll? Seit ihr auch schon am Planen?

Familienurlaub ist ja so eine Sache. Da gilt es Manches zu bedenken, das vielleicht gar nicht so naheliegend ist. Wir haben auch schon ein paar Schnitzer gemacht!

Was solltet ihr bei der Planung bedenken

Wahrscheinlich ist es mit Urlaubsplanung so ähnlich wie mit allem anderen bei Kindern: Kaum hat man sich auf etwas eingestellt, kommt schon der nächste Entwicklungsschub. Und das was vorher wunderbar gepasst hat und Freude gemacht hat, ist jetzt nur noch einen müden Blick wert.

Familienurlaub so unterschiedlich wie Familien

Familien bestehen aus einzelnen Menschen und die können ganz unterschiedliche Interessen haben. Meine Erfahrung war, dass es mit kleinen Kindern noch einfach war. Sand, Wasser und ein bisschen Spielzeug und schon waren sie zufrieden. Die Volksschulzeit über haben wir oft mit befreundeten Familien Urlaub gemacht. Da hatten wir großes Glück, denn sowohl wir Eltern waren befreundet, aber auch die Kinder konnten gut miteinander. Diese Urlaube mussten auch nicht weit weg führen. Den Wolfgangsee mit dem kalten türkisen Wasser hab ich noch gut in Erinnerung. Da sind wir auch ein bisschen Wandern gegangen und haben die Abende mit gemeinsamem Kochen, Essen und Spielen verbracht.

Alleine als Familie oder mit anderen

Wie gesagt, für uns hat es gut gepasst, dass wir eine Zeit lang Urlaub mit befreundeten Familien gemacht haben. Doch ich kenne viele, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, diese wertvolle Zeit ganz der Familie zu widmen. Warum auch nicht, schließlich bleibt für manche im Alltag nicht so viel Zeit und Energie, wie sie sich fürs Familienleben wünschen würden. Im Urlaub kann man sich eben ganz aufeinander konzentrieren, miteinander spielen, die Welt erkunden oder eine Herausforderung gemeinsam meistern.

Für Alleinerzieher_innen ist das manchmal anders. Da ist man eh schon für alles zuständig. Da kann es fein sein, wenn man im Urlaub nicht alles machen muss. Eine Freundin hat deswegen immer wieder mit ihrer Mutter Urlaub gemacht, mit der sie sich gut verstanden hat. Eine andere Freundin hat die gemeinsamen Urlaube mit befreundeten Familien sehr genossen, weil sie mit denen so vertraut war, dass sie sich nicht wie ein fünftes Rad am Wagen fühlte. Ein Freund hat sich mit seinen drei Kindern und einer Freundin zusammengetan. Deren Kinder waren schon erwachsen, aber sie verstand gut, wie so ein Alltag mit Kindern läuft. Und ein anderer Freund hat sich gerne Gruppen angeschlossen und mit dem Alpenverein, dem Familienverband oder den Kinderfreunden Urlaub gemacht.

Wer plant für wen

Je älter die Kinder wurden, desto mehr haben sich die unterschiedlichen Interessen herauskristallisiert. Schi fahren, das jahrelang allen Spaß machte, war dann nicht mehr für alle so toll. Auch die Urlaubszeiten mussten mit Geburtstagen von Freund_innen und anderen wichtigen Events abgestimmt werden. In einer befreundeten Familie erzählen die Eltern, dass ihr 13-jähriger Sohn angezogen und griesgrämig am Neusiedlersee sitzt. Er würde viel lieber Down Hill fahren und würdigt das extra für ihn gekaufte SUP keines Blickes. Andere Freunde suchen Alternativen, weil die Kinder auf keinen Fall in ein Flugzeug steigen wollen.

Bezieht daher eure Kinder rechtzeitig in die Urlaubsplanung mit ein. Klar, in einer Gemeinschaft ist es manchmal nicht einfach alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Aber es geht besser, wenn ihr die unterschiedlichen Bedürfnisse kennt und es klar ist, wer wann welche Kompromisse macht. Sich dafür Zeit zu nehmen bietet auch eine Chance. Ihr könnt auf diese Art herausfinden, welche Interessen ihr als Familie gemeinsam habt. Und vielleicht bietet das ja auch längerfristig eine gute Basis für gemeinsame Zeit.

Erholung und Ruhe oder Herausforderung und Abenteuer

Ich kenne Leute, die jedes Jahr am gleichen Ort Urlaub machen. Ich kann das gut verstehen, schließlich bin ich in einer kleinen Frühstückspension aufgewachsen. Genau solche Gäste waren dort meine Onkeln und Tanten und ihre Kinder fühlen sich noch heute wie Cousins an. Vertraut zu sein mit einem Ort, vielleicht auch mit den Menschen dort, das kann Stress raus nehmen. Da weiß man, was auf einen zukommt und braucht nicht erst Zeit, um sich zu orientieren. Gerade mit Kindern kann das sehr angenehm sein. Wenn man schon weiß, wo der Spielplatz liegt oder ob das Kind allein in den Stall gehen darf.

Andere lieben es abwechslungsreicher und möchten immer wieder neue Eindrücke bekommen. Sie können sich nicht vorstellen, zweimal an denselben Ort zu fahren. Auch sportliche Herausforderungen können da ein Thema sein. Gemeinsam eine anstrengende Wanderung zu bewältigen oder einen Radurlaub, das kann die Familie zusammenschweißen. Doch gerade bei herausfordernden Unternehmungen solltet ihr euch bei der Planung an den Konditions-Schwächsten orientieren. Sonst kann es schnell zu Unmut und Streit führen. Erst kürzlich hat eine Freundin erzählt, wie frustrierend so ein Radurlaub war. Der Konditionsstarke Teil der Familie war auf eine sportliche Herausforderung mit einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit eingestellt. Sie haben sich dann ständig vom plaudernden und gemütlich fahrenden Rest der Familie ausgebremst gefühlt und es kam zu Streit.

Kann Familienurlaub überhaupt erholend sein?

Ich kann mich noch gut an unseren ersten Urlaub mit Kind erinnern. Freunde hatten uns einen Campingplatz bei Grado empfohlen. Mit Restaurant, weitläufigem Gelände, Mobil-Homes, Strand und flachem Wasser sei er einfach ideal für Kinder. Sie hatten ihren Urlaub dort sehr genossen. Ohne lange nachzudenken sind wir dort hin. Das war dann ganz schön enttäuschend. Denn ich schwimme total gerne aber das Wasser in der Lagune war weder tief genug noch sonst einladend. Da unsere Tochter mit 10 Monaten noch kaum krabbelte und gar nicht ging, hätten wir keinen flachen Strand gebraucht. Außerdem war es im Mobil-Home total heiß, da es wenig beschattet war. Deswegen schlief sie immer erst spät ein. Aus unseren gemütlichem Erwachsene-only-Abenden mit einem gepflegten Glas Wein wurde nichts. Zusätzlich war es gar nicht so einfach, frisches Obst zu bekommen, dass nicht total nach Chemie roch.

Damals hab ich mich echt gefragt, ob es mit Kindern sowas wie Urlaub überhaupt gibt. Aber ja, ich kann euch beruhigen. Nachdem wir uns daran gewöhnt hatten, dass Kinder auch im Urlaub versorgt werden wollen und manchmal Umstellungsschwierigkeiten haben, wurde es besser. Heute erinnere ich mich an viele schöne Urlaube. Übrigens haben wir noch einmal dort auf diesem Campingplatz Urlaub gemacht. Da ich da schon wusste, was auf uns zu kommt, hat es dann auch gut gepasst.

Familienurlaub – darf’s was Nachhaltiges sein?

Vielleicht wart ihr oder eure Kinder auch bei den Fridays-for-Future-Demos und fordern nun Alternativen zu Flug- oder Autoreisen? Deshalb möchten wir euch hier in nächster Zeit ein paar Alternativen vorstellen, die uns oder unseren befreundeten Familien Spaß gemacht haben. Ob Städteurlaub mit dem Zug, Hüttenwandern, mit dem Fahrrad den Drautal-Radweg entlang oder Kanuwandern, wir haben uns dabei an folgenden Fragen orientiert:

  • Wie seit ihr auf die Idee gekommen?
  • Welche Vorarbeiten/Planung war erforderlich?
  • Welche Schwierigkeiten /Herausforderungen haben sich dabei ergeben?
  • Was hat euch daran gefallen?
  • Wem würdet ihr es empfehlen?

Wenn euch noch eine Frage fehlt, dann hinterlasst ein Kommentar, denn noch kann ich es gut einarbeiten.
Sind euch schon mal Urlaubs-Fehlplanungen passiert, aus denen andere lernen könnten? Teilt sie mit uns, schreibt ein Mail kinderinfowien@wienxtra.at oder hinterlasst ein Kommentar.

BriG
Fotos (c) Brigitte Vogt

3 comments on “Familienurlaub – Planung ist die halbe Miete

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